⚡ Kurz erklärt
Netto-Arbeitszeit = Arbeitsende − Arbeitsbeginn − Pausen. Wer von 8:00 bis 16:45 Uhr arbeitet und 45 Minuten Pause macht, hat 8 Stunden gearbeitet (8,00 Industriestunden). Ab 6 Stunden sind 30 Minuten Pause Pflicht, ab 9 Stunden 45 Minuten (§ 4 ArbZG).
Arbeitszeit richtig berechnen – Gesetz, Pausen und Industriezeit
Seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) sind Arbeitgeber in Deutschland verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen. Für Arbeitnehmer lohnt es sich ebenso, die eigenen Stunden zu dokumentieren – etwa um Überstunden nachzuweisen oder die Einhaltung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit zu prüfen. Dieser Arbeitszeitrechner macht genau das: Netto-Arbeitszeit pro Tag, Wochensumme, Abgleich mit der Sollarbeitszeit und automatische Pausenprüfung.
Gesetzliche Pausen nach § 4 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
| Arbeitszeit pro Tag | Mindestpause |
|---|---|
| bis 6 Stunden | keine gesetzliche Pause vorgeschrieben |
| mehr als 6 bis 9 Stunden | 30 Minuten |
| mehr als 9 Stunden | 45 Minuten |
Die Pause darf in Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden und muss im Voraus feststehen. Länger als 6 Stunden am Stück darf niemand ohne Pause arbeiten. Pausen zählen nicht zur bezahlten Arbeitszeit – deshalb zieht der Rechner sie automatisch ab.
Höchstarbeitszeit und Ruhezeit
- § 3 ArbZG: Die werktägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten; bis zu 10 Stunden sind erlaubt, wenn innerhalb von 6 Monaten im Durchschnitt 8 Stunden nicht überschritten werden.
- § 5 ArbZG: Zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen.
- § 9 ArbZG: An Sonn- und Feiertagen gilt grundsätzlich ein Beschäftigungsverbot (mit Ausnahmen, z. B. Gastronomie, Pflege, Verkehr).
- In Österreich gilt: 30 Minuten Pause ab 6 Stunden, Höchstarbeitszeit 12 Stunden täglich / 60 Stunden wöchentlich. In der Schweiz: 15 Minuten ab 5,5 h, 30 Minuten ab 7 h, 60 Minuten ab 9 h.
Was ist Industriezeit (Dezimalstunden)?
In Lohnabrechnungen und Zeiterfassungssystemen wird häufig mit Industriezeit gerechnet: Statt 7 Stunden 45 Minuten steht dort 7,75 Stunden. Die Umrechnung lautet Minuten ÷ 60 – 15 Minuten sind 0,25 h, 30 Minuten 0,5 h, 45 Minuten 0,75 h und 20 Minuten 0,33 h (auch Industrieminuten genannt). Der Umrechner unten auf der Seite wandelt beide Formate in Echtzeit ineinander um.
Überstunden berechnen
Überstunden sind alle Stunden über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Ob und wie sie vergütet werden, regeln Arbeits- oder Tarifvertrag; die Klausel „Mit dem Gehalt sind alle Überstunden abgegolten“ ist nach Rechtsprechung des BAG in vielen Fällen unwirksam, wenn sie keinen Umfang benennt. Tipp: Tragen Sie jede Woche Ihre realen Zeiten ein und speichern Sie das Ergebnis als Screenshot – ein einfaches, aber im Streitfall wertvolles Protokoll.
Wann, wie & warum – Arbeitszeitrechner richtig nutzen
Wie berechne ich meine Arbeitszeit, wenn ich über Mitternacht arbeite?
Geben Sie Beginn und Ende einfach ein – der Rechner erkennt, dass 22:00 bis 6:00 Uhr acht Stunden sind, und zieht die Pause ab. Nachtarbeit (mindestens 2 Stunden zwischen 23 und 6 Uhr) darf im Schnitt 8 Stunden pro Tag nicht überschreiten; der Ausgleichszeitraum beträgt hier nur einen Monat statt sechs (§ 6 ArbZG).
Wann muss ich Pause machen und darf der Arbeitgeber sie vorschreiben?
Nach spätestens 6 Stunden ununterbrochener Arbeit müssen Sie 30 Minuten pausieren, nach 9 Stunden insgesamt 45 Minuten – in Blöcken von mindestens 15 Minuten. Der Arbeitgeber darf Pausenzeiten festlegen und muss sie sogar durchsetzen; wer durcharbeitet, bekommt die Pause trotzdem abgezogen, wenn sie vorgeschrieben ist. Die Pause muss frei verfügbar sein, Rufbereitschaft am Platz zählt nicht.
Warum steht auf meiner Zeiterfassung 7,75 statt 7:45?
Das ist Industriezeit (Dezimalstunden): Minuten werden in Hundertstel umgerechnet, 45 Minuten = 0,75 Stunden, 20 Minuten = 0,33, 10 Minuten = 0,17. Lohnbuchhaltungen rechnen so, weil sich Dezimalzahlen multiplizieren lassen (7,75 h × 18 € = 139,50 €). Der Rechner zeigt beide Schreibweisen nebeneinander.
Wie viele Überstunden darf ich machen und werden sie bezahlt?
Erlaubt sind bis zu 10 Stunden täglich, solange der Durchschnitt über 6 Monate bei 8 Stunden bleibt – also maximal 48 Stunden pro Woche im Schnitt. Ob Überstunden bezahlt werden, regelt Ihr Arbeits- oder Tarifvertrag; Klauseln wie „alle Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ sind laut BAG unwirksam, wenn sie keine Obergrenze nennen. Führen Sie eine eigene Liste: Im Streitfall müssen Sie Überstunden darlegen.
Was gilt bei Teilzeit oder Minijob – muss ich auch Stunden aufschreiben?
Ja. Seit dem BAG-Beschluss vom 13.09.2022 (1 ABR 22/21) müssen Arbeitgeber die Arbeitszeit aller Beschäftigten systematisch erfassen, für Minijobber gilt die Aufzeichnungspflicht nach § 17 MiLoG ohnehin. Bei Teilzeit sind Überstunden über die vertragliche Zeit hinaus zuschlagsfrei bis zur Vollzeitgrenze, es sei denn, der Tarifvertrag regelt es anders.