⚡ Kurz erklärt
Arbeitnehmer: 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende (§ 622 BGB), in der Probezeit 2 Wochen. Arbeitgeber: nach 2 Jahren 1 Monat, nach 5 Jahren 2 Monate, bis zu 7 Monate nach 20 Jahren. Mietwohnung: 3 Monate, wenn die Kündigung bis zum 3. Werktag des Monats zugeht – Zugang am 3. Mai bedeutet Auszug zum 31. Juli.
Kündigungsfrist berechnen: Arbeitsvertrag und Mietvertrag richtig planen
Die richtige Kündigungsfrist entscheidet darüber, wann Sie einen neuen Job antreten oder aus der Wohnung ausziehen können – und ob Sie doppelt Miete zahlen. Dieser Rechner bildet die gesetzlichen Fristen des Bürgerlichen Gesetzbuchs ab und berücksichtigt die häufigsten Stolperfallen: den Zugang der Kündigung, die „zum 15. oder Monatsende“-Regel und die 3-Werktage-Karenz bei Mietverträgen.
Kündigungsfrist für Arbeitnehmer (§ 622 Abs. 1 BGB)
Arbeitnehmer können mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen. Vier Wochen sind exakt 28 Tage – nicht ein Monat. Geht die Kündigung am 3. März zu, ist der 31. März der früheste Termin; geht sie erst am 5. März zu, ist es der 15. April. Der Arbeitsvertrag darf für Arbeitnehmer keine längere Frist als für den Arbeitgeber vorsehen (§ 622 Abs. 6 BGB).
Kündigungsfrist für Arbeitgeber (§ 622 Abs. 2 BGB)
| Betriebszugehörigkeit | Kündigungsfrist des Arbeitgebers |
|---|---|
| unter 2 Jahre | 4 Wochen zum 15. oder Monatsende |
| ab 2 Jahre | 1 Monat zum Monatsende |
| ab 5 Jahre | 2 Monate zum Monatsende |
| ab 8 Jahre | 3 Monate zum Monatsende |
| ab 10 Jahre | 4 Monate zum Monatsende |
| ab 12 Jahre | 5 Monate zum Monatsende |
| ab 15 Jahre | 6 Monate zum Monatsende |
| ab 20 Jahre | 7 Monate zum Monatsende |
Beschäftigungszeiten vor dem 25. Lebensjahr zählen entgegen dem Gesetzeswortlaut mit (EuGH, Kücükdeveci, 2010). Viele Arbeitsverträge übertragen die verlängerten Arbeitgeberfristen auch auf den Arbeitnehmer – aktivieren Sie in diesem Fall die entsprechende Option im Rechner. In der Probezeit (max. 6 Monate) gilt beidseitig eine Frist von zwei Wochen zu jedem Tag.
Kündigungsfrist für Mietwohnungen (§ 573c BGB)
Mieter können jederzeit mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Die Kündigung muss spätestens am 3. Werktag eines Monats beim Vermieter eingehen, damit dieser Monat mitzählt. Beispiel: Zugang am 3. Mai → Mietende 31. Juli; Zugang am 6. Mai → Mietende 31. August. Werktage sind Montag bis Samstag – der Samstag zählt bei dieser Karenzzeit mit (BGH, Urteil vom 27.04.2005, VIII ZR 206/04); Sonn- und Feiertage zählen nicht. Fällt der 3. Werktag auf einen Samstag, verlängert sich die Frist nach herrschender Meinung bis zum nächsten Werktag (§ 193 BGB). Für Vermieter verlängert sich die Frist nach 5 Jahren Mietdauer auf 6 Monate, nach 8 Jahren auf 9 Monate – zudem brauchen sie ein berechtigtes Interesse wie Eigenbedarf.
Zugang ist entscheidend – nicht das Datum im Brief
- Eine Kündigung wirkt erst, wenn sie dem Empfänger zugeht – der Brief muss im Briefkasten liegen, zu einer Zeit, in der üblicherweise geleert wird (bis ca. 18 Uhr).
- Kündigungen von Arbeits- und Mietverträgen müssen schriftlich mit Originalunterschrift erfolgen (§ 623, § 568 BGB). E-Mail, Fax, WhatsApp oder Scan sind unwirksam.
- Sicherste Zustellung: persönliche Übergabe mit Empfangsbestätigung oder Einwurf durch einen Zeugen. Ein Einschreiben mit Rückschein kann bei Nichtabholung sogar den Zugang verzögern.
- Endet die Frist an einem Wochenende, verschiebt sich das Vertragsende nicht – anders als bei Fristen für Handlungen (§ 193 BGB).
Aufhebungsvertrag als Alternative
Wollen Sie schneller wechseln, als es die Frist erlaubt, kann ein Aufhebungsvertrag helfen. Achtung: Er kann zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld von bis zu 12 Wochen führen, wenn kein wichtiger Grund vorliegt.
Wann, wie & warum – Kündigungsfrist-Rechner richtig nutzen
Wann muss meine Kündigung beim Arbeitgeber sein, wenn ich zum 31. Oktober raus will?
Bei der gesetzlichen Frist von 4 Wochen zum Monatsende spätestens am 3. Oktober – die Kündigung muss an diesem Tag zugehen, also im Briefkasten oder in der Hand des Arbeitgebers sein. Schicken Sie sie per Einwurf-Einschreiben oder geben Sie sie persönlich gegen Empfangsbestätigung ab. Steht im Vertrag „6 Wochen zum Quartalsende“, gilt diese längere Frist; E-Mail oder WhatsApp reichen nicht (§ 623 BGB, Schriftform).
Wie zählt die 3-Werktage-Regel bei der Wohnungskündigung – zählt der Samstag?
Ja. Für die Kündigung gilt der Samstag als Werktag (BGH, 27.04.2005, VIII ZR 206/04), Sonn- und gesetzliche Feiertage nicht. Beispiel Oktober 2026: 1. Oktober (Do) = 1. Werktag, 2. Oktober (Fr) = 2., 3. Oktober ist Feiertag, 4. Oktober Sonntag, 5. Oktober (Mo) = 3. Werktag. Fällt der 3. Werktag selbst auf einen Samstag, verlängert sich die Frist nach herrschender Meinung (§ 193 BGB) bis Montag – sicherheitshalber sollte die Kündigung dennoch bis Samstag zugehen. Achtung: Für Mietzahlungen zählt der Samstag dagegen nicht als Werktag.
Warum gilt für mich als Arbeitnehmer eine kürzere Frist als für meinen Arbeitgeber?
Weil § 622 BGB Arbeitnehmer schützt: Die verlängerten Fristen nach Betriebszugehörigkeit gelten nur für Kündigungen durch den Arbeitgeber. Sie selbst können nach 15 Jahren immer noch mit 4 Wochen kündigen – es sei denn, Ihr Vertrag legt fest, dass die verlängerten Fristen für beide Seiten gelten (das ist zulässig und häufig). Eine längere Frist nur für Arbeitnehmer wäre unwirksam.
Was muss ich nach der Kündigung sofort erledigen, um Arbeitslosengeld zu bekommen?
Sich innerhalb von 3 Tagen nach Kenntnis des Beendigungstermins bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden (§ 38 SGB III), spätestens 3 Monate vor Ende. Wer zu spät kommt, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche. Bei Eigenkündigung ohne wichtigen Grund droht zusätzlich eine Sperrzeit von 12 Wochen. Der Rechner zeigt das Beendigungsdatum – tragen Sie sich die Meldefrist direkt daneben ein.
Wie komme ich schneller aus dem Mietvertrag als in 3 Monaten?
Über einen Aufhebungsvertrag mit dem Vermieter (Nachmieter vorschlagen erhöht die Chancen deutlich), durch ein Sonderkündigungsrecht (Mieterhöhung: Kündigung bis Ende des 2. Monats nach Zugang zum Ablauf des übernächsten Monats, § 561 BGB; Modernisierung) oder wenn der Vertrag eine Nachmieterklausel enthält. Ein Anspruch auf vorzeitige Entlassung besteht nur in Härtefällen (Pflegeheim, Tod des Mieters).